Jedes Haus hat einen Ort, wo immer alles hingekramt wird wenn man Platz braucht. Bei uns ist das der Speicher. Wenn man da die Tür auf macht denkt man immer:“ Mann, hier müsste man auch noch mal aufräumen. Das mach ich morgen.“ Das ist noch gar nicht so lange her.
Höchstens acht neun Jahre. Damit konnte ich auch immer gut leben, bis ich letzte Woche etwas gesucht habe und dabei aus Versehen die Speichertür geöffnet habe. Es hat Überwindung gekostet, aber ich hab dann wirklich angefangen.
Ja liebe Kinder, Aufräumen gibt es auch noch bei Leuten im fortgeschrittenen Alter.
Doch das Tolle ist, dass gestandene Männer wieder zu kleinen Kindern werden, wenn sie aufm Speicher in den Kartons mit den alten Kinderspielsachen kramen.
Erinnert sich noch einer an Nerf? Das waren damals so Pistolen mit denen man Schaumstoffpatronen abschießen konnte. Eine sehr tolle Sache. Aber wie der Zufall es so will, war von den Schaumstoffstiften nichts zu sehen. Doch dafür hat man ja Abi gemacht. In solchen Situationen findet der Abiturient immer die wissenschaftlich beste Lösung. So ein Tampon fliegt genau so gut. Außerdem ist so ein Vorratspack auch bei weitem nicht so schnell leer. Wenn man jetzt noch das Schnürchen am Ende auflockert fliegt so ein Teil nicht nur ästhetischer, sondern macht sich auch gut als Deko. Kleiner Tipp: So ein Hunderterpack ist einen Tick zu viel für ein 10 Quadratmeter großes Wohnzimmer. Dass so eine doch recht außergewöhnliche Dekoration nicht jedem Mitbewohner zusagt, merkt man dann, wenn einer von ihnen hüpfend um den brennenden Spielsachenkarton tanzt.
Naja, zurück an die Arbeit. Ganz unten, wo sogar die Spinnen nicht hinkommen findet man dann meistens unerwartete Schätze. Bei mir war´s ein alter Schallplattenspieler. Was soll ich sagen? Die Arbeit geht einfach viel schneller von der Hand, wenn man „I´ve been looking for freedom“ auf 45 rpm hört. Dann findet man auch die alten Malbücher wieder, die nach dem Umzug vor 15 Jahren nie aus den Karton genommen wurden. Ganz schnell wird man da nostalgisch. Das waren noch Zeiten als die Wiese knallrot und die Hasen blau waren.
Gut, das empfinden einige Jugendliche heutzutage jeden Tag so, aber ihre Farbverwirrungen kommen garantiert nicht von ihrer lebhaften Fantasie. OK, blaue Hasen kann man wirklich noch jede Woche sehen, wobei man da aber über die Definition von „Hase“ und „blau sein“ diskutieren müsste. Egal, ich schweife ab.
Ich hab mich also der Nostalgie abgewendet und bin zu der Ecke gekommen, wo die Sachen liegen die nicht aus Erinnerung behalten werden, sondern einfach weil man denkt, dass man es noch mal brauchen kann. Alte Kartons von Elektrogeräten die schon lange weggeschmissen wurden. So aus der Generation wo es noch keine Fernbedienung für den Fernseher gab und das braun in braun auf dem Karton farbenfroher war als das TV-Bild. Alte Wasserfarbenkästen inklusive Pinsel. Dass die Borsten mittlerweile so hart sind, dass man damit ohne Probleme ein Muli erschlagen könnte, interessiert ja keinen.
Auch schön sind diese alten Regenschirme die notdürftig mit Klebeband geflickt wurden. Jaaha, damals hatten wir ja nichts. So was kann man aber auch nicht wegschmeißen. Irgendwann zieht ein riesiges Unwetter über Deutschland hinweg und dann siehste aber ganz schlecht aus wenn Tokio Hotel in der Tür stehen und um Hilfe flehen nur weil sie wieder mal bei Wind und Wetter ans Ende der Welt latschen wollen.
Sein wir mal ehrlich: Nichts davon wird man jemals wieder brauchen. Das schlimme ist, dass wir Männer einfach keine Begründung dafür finden, warum das alles unbedingt noch mal zehn Jahre aufbewahrt werden muss. Frauen haben´s da einfach. Die sagen einfach: „Die Bluse wird wieder modern“.
Nichts davon wird man jemals wieder brauchen. Den Gedanken den ganzen Scheiß einfach anzuzünden verwirft man relativ schnell wenn man bedenkt, dass man den ganzen Scheiß die Treppen runterschleppen muss, da ein Bullauge im Vergleich zu dem Dachfenster ein Panoramablick ermöglicht.
Doch da kam mir die brillante Idee. Rausgehen, die Türe hinter sich zuschließen und den Inhalt einfach vor sich hinvegetieren lassen.
Dass dieses System wahrscheinlich nicht auf Dauer funktioniert, zeigt ja schon die Geschichte. Schließlich sind die Ossis ja auch irgendwann wieder rausgekommen.
Naja, eine Seite habe ich ja schon mal geschafft, den Rest mach ich morgen.
Freitag, März 31, 2006
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