Mittwoch, Juli 04, 2007

Shopping

Ja, bei diesem Titel läuft den meisten Männern unter uns schon der kalte Schauer über den Rücken. Für Frauen allerdings ist Shoppen häufig besser als Sex. Es dauert halt in der Regel länger und wenn’s ihr bei einem nicht gut gefällt geht sie zum nächsten über. Im Grunde sind Frauen beim Shoppen viel mehr den Urinstinkten ausgeliefert als wir Männer beim Sex.
Klar, wenn man den Partner ohne Vorwarnung wechselt, ist oft Stunk in der Bude. Das gefällt Frauen beim Einkauf auch besser. Zumindest hab ich noch keinen H&M-Laden gesehen, der einer Frau Untreue vorwirft und bei Olli Geissen einen Herstellertest einfordert um herauszufinden, ob ihr Lieblingstop wirklich von ihm ist.
Frauen haben auch keine Angst vor Shoppen in der Öffentlichkeit, wozu sie beim Sex doch eher selten zu überreden sind. Oder Läden in denen es viele Markenartikel gibt scheuen Frauen auch nicht. Ein „Lust for Life“ ist quasi der Swingerclub der Frau.

Wir Männer finden Einkaufen eher lästig, wenn es nicht gerade um Unterhaltungselektronik oder Autos geht. Ja, wir ziehen Frauen gerne aus, aber uns selber? Für das ständige Umziehen ist der männliche Körper einfach nicht gemacht, das sehen Frauen auch ein und überlassen uns Tätigkeiten für die er geschaffen ist: Tüten schleppen.
OK, ich bin jetzt noch nicht dazu genötigt worden eine Tüte durch die Stadt zu tragen, aber in einzelnen Läden selber kommt das schon mal vor. Dennoch kann ich es jedem empfehlen, mal mit einer Frau shoppen zu gehen, man lernt soo viel.

Zunächst ist man frohen Mutes und schaut sich selbst auch mal um. Vielleicht findet man ja was. Also trottet man durch die Herrenabteilung, während die Frau sich mit den Artgenossinnen in ihren Bereichen versammelt. Ich für meinen Teil habe mir die Zeit genommen, mir die einzelnen Verhaltensmuster der Geschlechter näher anzugucken. Erstaunlicherweise scheinen die Sinne der Männer weitaus geschärfter zu sein als die der Frauen. Männer erkennen offensichtlich schon an der Seitennaht ob ihnen eine Hose gefällt oder nicht, während Frauen das Kleidungsstück von der Stange nehmen müssen. Gut jetzt werdet ihr sagen „Die Frau guckt sich wenigstens das ganze an bevor sie Geld raus wirft“, das mag sein aber der Mann ist da nicht anders. Allerdings ist er ja mehr der Pragmatiker. Er denkt sich „Wenn ich das ganze Ding sehen will, geh ich ans Ende der Stange, da hängt das selbe Modell schließlich noch mal mit Frontansicht“. Und sind wir mal ehrlich, viel anderes bleibt dem Mann auch nicht übrig wenn er die Tüten der Frau in beiden Händen tragen muss.

Männer schlürfen unmotiviert durch die Gänge, schauen hin und wieder mal auf die Kleidung und weichen dezent anderen Leidensgenossen aus die den selben trostlosen Blick haben.
Frauen demonstrieren hier ihre wahre Fähigkeit zum Multitasking. Sie gehen hellwach durch das Labyrinth von Angeboten und gucken sowohl links als auch rechts. Gleichzeitig! Zur selben Zeit haben sie aber immer zwei drei Augen auf die anderen Frauen die Potentielle Angriffsziele bieten. Es gibt drei Punkte die eine Frau sofort bei der potentiellen Konkurrentin feststellt:
1.Nimmt sie mir vielleicht gerade das Teil weg, das ich kaufen wollte?
2.Was hat die denn an? Buäääh.
3.Was kauft die denn da? Würg.

Jedenfalls trifft man sich irgendwann wieder. Also der Mann sucht die Frau. Nicht andersrum. Hier kommt die wahre Kenntnis des Partners zu Tage. Beim Schoppen muss der Mann seine Frau an den Knöcheln wieder erkennen, da meist der Rest von neuen Klamotten und Kleiderbügeln verdeckt wird. Man kann ja über Frauen sagen was man will. Sie können vereinzelt im Straßenverkehr vielleicht nicht rechts von links unterscheiden, aber sie finden jederzeit blind den Weg zur Umkleidekabine. Sie vergessen in ihrem Eifer aber auch mal wie viel sie da eigentlich mit sich tragen. Man fragt sie „wie viele Sachen schleppst du da mit?“ – „Joa, das sind höchstens acht.“ – „Zähl nach.“…. Es waren dreizehn. Klar dass da schnell die Ablagemöglichkeiten der Kabine eng werden.

Das absolute Highlight eines Einkaufs sind Massenumkleidekabinen. Das sind so ökumenische Räume, wo Kabinen für Männer und Frauen drin sind. Das ist ein wenig wie Legebatterie, nur noch mit gackernden Hühnern drum herum. Ich habe nicht durch den Spalt in die Kabine geschaut, sondern meine Aufmerksamkeit lieber den armen Schweinen vor den Kabinen geschenkt. Da gibt es wirklich alles. Die hyperaktive Frau, die nervös hin und her läuft um die erste freie Kabine zu erwischen, den verzweifelten Ehemann der mit der Stirn gegen die Kabinentür lehnt weil seine Frau sich einfach nicht entscheiden kann und natürlich meine Lieblingskategorie: die frisch verliebten. Und davon gibt’s viele. Man hört dann so Sachen wie: „Katrin, wo bist du?“ – Katrin meldet sich nicht. – „Schatz, ich hab hier den Tanga den du wolltest.“ Was für ein Depp. Natürlich meldet sich Katrin nicht. Welche Frau will zugeben mit so einem zusammen zu sein? Frisch verliebte erkennt man aber auch daran, wenn sie für die Frau des Herzens die Kabine frei halten müssen, weil sie unbedingt noch ein Teil holen muss. Pures Chaos.

Naja, irgendwann hat man das dann hinter sich, bezahlt den leicht schwulen Mann an der Kasse und ist in Freiheit. Frische Luft und man atmet durch. Doch dann schallt es von der Seite: „Guck mal! Handtaschen! Da muss ich mal gucken.“ Man sieht’s optimistisch. Schließlich kann man Handtaschen nicht anziehen.
Das gut geschulte Frauenauge scannt sofort die Umgebung und filtert die passende Tasche raus. „Ohhhh. Super. Wie geil ist das? Oh. Das fühlt sich so toll an. Sowas muss ich haben. Ohhhh. Mmmh.“ Und du denkst dir bloß „Warum macht sie das nicht auch im Bett?“ Weil Shoppen für sie besser ist als Sex. Ist doch klar.

Frauen genießen Shoppen nicht nur, nein sie denken auch so, dass sie Tage lang etwas davon haben. Die Zauberwörter hierbei heißen „zurücklegen lassen“.
Frauen lassen sich Sachen zurücklegen und holen sie später ab.
Ich war überrascht. Manche Läden haben extra mehrere Quadratmeter Platz für zurückgelegte Wahre reserviert. Offensichtlich wird dieser Service gerne genutzt. Sollte man vielleicht auch mal in anderen Branchen drüber nachdenken. Tankstellen zum Beispiel. „Ich hab grad nich das passende Geld dabei. Legen sie mir 20 Liter zurück.“ Und dann kommt ein Ein-Euro-Jobber, füllt es ihnen ab und stellt’s auf’s Lager. Das ist Service.

Parfümerien. Auch ein erstaunlicher Ort. Man wird ihn verändert wieder verlassen. Als Mann betritt man so was ja eher selten… und das ist auch gut so. Frauen überleben nicht nur die Wolke aus 50 Verschiedenen Zerstäubern, nein sie können sie auch noch unterscheiden. Man schleicht durch die Gänge von Fläschschen, Ampüllschen und Pröbchen, wird von allen Ecken mit Lampen von irgendwelchen Spiegeln bestrahlt während man mit tränenden Augen die nächstmögliche Position am Ausgang sucht, wo wenigstens ein kleiner Anteil Sauerstoff bis zum Hirn und den Augen durchkommen kann.
Völlig desorientiert folgt Mann der Frauenstimme die irgendwann von draußen schreit, dass sie weiter will.

Irgendwann geschieht dann doch das unfassbare und deine Freundin wird müde. Die Füße tun weh und sie will nach Hause. Du bedankst dich bei Gott und ihr fahrt zurück.
Nach diesem prägenden Tag fragst du dich warum du das alles mitgemacht hast. Warum die kaputten Füße, die tränenden Augen, der kaputte Rücken? Und du selbst hast gerade vielleicht mal ein Shirt rausgeholt.
Dann kommt am nächsten Tag deine Freundin zu dir. In einem knappen Top, einer dünnen Hose in der sich ihr Hintern griffig präsentiert und einer Laune die dir die Schuhe auszieht und da fällt dir der Grund plötzlich ein…

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