Der ein oder andere wird es gemerkt haben. Die Menschen in meiner Umgebung sind oft ein Thema hier. Ist ja normal, weil man anderen Menschen ja nur schwer aus dem Weg gehen kann. Ich für meinen Teil will es auch gar nicht. Es ist viel interessanter anderen Leuten Beachtung zu schenken und dabei die erstaunlichsten Sachen festzustellen.
Nein, ich fang jetzt nicht wieder an über Mann und Frau zu philosophieren. Ich rede von Müttern. OK, viele werden jetzt sagen „Moment. Meine Mutter ist aber eine Frau“. Stimmt, aber irgendwie ist eine Mutter dann doch auch etwas anderes.
Gerade als kleines Kind ist die Mutter oft Bezugspunkt Nummer eins. Wenn man grad auf der Welt ist, ist man das Goldstück der Familie, das alles kriegt und von jedem als süß empfunden wird. Ja, das war auch sicher bei euch mal so, aber auch ich kann mich nur schwer an meine ersten Lebensjahre erinnern.
Dann kommt die Phase wo das Kind langsam alltäglich wird und die Arbeit anfängt die Freude zu überholen. Da ist das Verlangen nach der Mutter nicht mehr schön, sondern nervig. Das ewige schreien wenn es durstig ist geht einem nur noch auf den Zeiger. Da ist es doch nur verständlich wenn man als Mutter irgendwann sagt: „Jetzt ist aber gut. Du musst langsam anfangen für dich selber zu sorgen. Du bist jetzt dreiundvierzig.“
Gut, die meisten von uns werden ja schneller erwachsen als es der Frau deren Lenden wir entsprungen sind lieb ist. Da hat man die Volljährigkeit erreicht und will die Clubs unsicher machen, aber muss sich erstmal der Mutter zum auschecken stellen. Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber wird ein euren Klamotten auch immer rumgezupft bevor ihr das Haus verlasst? Zum Glück konnte ich meiner Mutter die Masche mit dem angefeuchteten Taschentuch abgewöhnen. Kennt doch jeder oder? Taschentuch, Spucke drauf…. Buaaaah!
Ja, die meisten Mütter nehmen das Fortschreiten des Alters ihre Kinder nach dem neunten Lebensjahr nur noch ganz marginal wahr. Wer hat nicht schon aus der Küche den Satz schallen hören: „Zieh ne Jacke an. Es ist kalt draußen.“ Ich muss dazu sagen, dass wir einen Kalender in der Nähe der Haustüre haben. Und bei solchen mütterlichen Tipps nehme ich dann schon gerne mal die Gelegenheit wahr, da mal genau drauf zu schauen und da kommt es mir dann auch in den Sinn: „J-U-L-I. Tatsächlich, ich darf meine Handschuhe nicht vergessen.“
Auch sehr beliebt wenn das „Kind“ die Wohnung verlässt ist „Willst du nicht lieber noch mal schnell auf die Toilette?“ Klar, sagt man dann aus Gewohnheit dass man nicht müsse, aber in Wirklichkeit denkt man „Mutter… ich geh doch nur schnell zum Nachbarn. Und selbst wenn es mich überkommen würde, sind Toiletten mittlerweile standardmäßig in deutschen Haushalten integriert.“
Oder beim Essen. Wer kennt es nicht? Mutter: „Junge, willst du noch was essen?“ – „Nein, danke.“ – „Aber ist doch noch so viel da“ – „Nein, ich kann nicht mehr“ – „Ach, komm...“ Platsch, und der Teller ist wieder voll. Da kann man als gut erzogener Sohn natürlich nicht aufstehen und einfach gehen. Da würde eine Welle der Entrüstung losbrechen. Was ich jetzt gemacht habe das ist mir das Schlafen mit offenem Mund abzugewöhnen. Ich hatte immer Angst, dass meine Mutter irgendwann die Chance nutzt und mir die Frühstücksflocken unverhofft direkt in den Hals kippt.
Aber wenn wir ehrlich sind, finden wir es doch auch irgendwie gut. Man sieht es Müttern ja nach, da sie immer im Dienst zum Fortbestand der Familie sind.
Aber es gibt ja auch andere Beispiele. Bei der Hausarbeit zum Beispiel.
Der Sohn/die Tochter entwickelt mit der Zeit ein eigenständiges Leben und befindet sich naturgemäß nicht mehr so oft Zuhause. Klar, sollte das dem Haushalt zu gute kommen, denn es fällt weniger Müll an, der Stromverbrauch sinkt und die Lautstärke des Radios bleibt konstant in Bereichen, die von der Generation Ü30 als angenehm eingestuft wird.
Dennoch bleiben Sachen unerledigt für die gerne mal das Kind eingesetzt wurde. Wohnzimmer staubsaugen zum Beispiel. Oder Müll raus bringen. Man selbst will aber viel lieber raus und dann geht’s los:
„Kind, wo willst du denn wieder hin?“ – „Weg. Ich treff’ mich mit nem Freund.“ – „Du bist nie mehr Zuhause.“ – „Mutter ich bin doch hier.“ – „Aber sonst nie.“ – „Ich komm ja wieder.“ – „Ja, wann denn?“ – „Weiß noch nich genau.“ – „Willst du nicht bei dem einziehen?“ – „Ja, schon. Aber keiner von uns kann kochen.“
Oder ihr habt Glück und habt so eine Mutter wie ich. Meine wird in solchen Situationen eher etwas nostalgisch und sagt dann: „Geh du nur. Viel Spaß. Nutzt die Zeit wo ihr noch jung seid. Aber vorher…. Lass mich deinen Kragen richten.“ Und du lässt es über dich ergehen, obwohl du genau weißt dass deine Freundin den Kragen wieder anders kramen wird.
Ist vielleicht auch eine Frauensache. Im Grunde sind Mütter ja auch Frauen und ich glaube, dass in jeder Frau auch schon so ein bisschen Mutter drin steckt. Spätestens in Phase 3.
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