Mittwoch, Mai 03, 2006

Highrize und der Restaurantbesuch

Es war soweit. Silberhochzeit der Eltern. Also werden die Baggypants und das Shirt nach langer Zeit noch mal gegen ein passendes Hemd inklusive Hose ausgetauscht. Zumindest hatte ich Glück und es handelte ich heute nur um eine beschränkte Gesellschaft. Das meine ich jetzt noch nicht mal im geistigen Sinne, sondern einfach nur von der Anzahl der Leute.
Wie es zu solchen Anlässen gerne gemacht wird, sind wir dann mit der ganzen Bagage essen gegangen. Seit dem ist mir klar, dass in den Gaststätten wirklich noch gearbeitet wird. Und das meine ich diesmal geistig. Auf den Speisekarten werden die Gerichte ja gerne mit Nummern gekennzeichnet, damit der arme Gast nicht die ganzen französischen, griechischen oder was weiß ich noch für Wörter aussprechen muss. Hier kommt dann die Eigenschaft der Bedienungen zum Einsatz die ich immer schon bewundert habe. Der Typ konnte wirklich jeder Zahl das passende Gericht zuordnen. So was beeindruck mich wirklich jedes Mal aufs Neue. Ich war immer der Ansicht, dass Menschen die jeden Tag mit so vielen Nummern zu tun haben und die dann auch noch richtig zuordnen können eigentlich nur noch auf dem Straßenstrich arbeiten.
Nachdem ich mich noch mal umgeschaut habe und mich von jeder Seite Blumen und Platzdeckchen angrinsten, war ich mir sicher, dass ich etwas Männliches von der Speisekarte wählen sollte. Und was ist das Männlichste auf der Welt? Richtig, Grillen! Also flink dem breit grinsenden Kellner ein freundliches 230 entgegen gerufen und der Grillteller war auf dem Weg.
Dann beginnt immer der schlimmste Teil eines Restaurantbesuchs: Das Warten. Zum Glück gab’s ja noch die Salatbar. Also hab ich mir schnell nen Teller gekrallt und mich hinter der älteren Dame mit dem Fransenpullover eingereiht. – Schlechte Idee. Kann mir einer erklären warum da unbedingt zwei Reihen von Behältern aufgereiht werden? Ich hab ja nix dagegen wenn man sich von der hinteren Reihe bedient, aber muss dann der in der vorderen Reihe aufgefahrene Krautsalat mit Fransen angereichert werden? Ich denke nicht. Also habe ich die Gunst der Stunde genutzt und mich schnell vorgedrängelt. Sorry, aber ich bin schon oft genug von alten Leuten an der Kasse weggedrängelt worden, aber beim Essen hört der Spaß auf!
So ganz wollte sich der Appetit auf Salat nicht mehr einstellen, also habe ich mir einfach ne handvoll Peperonis gegriffen und bin geflüchtet bevor ich nachher wie meine Katze Wollbällchen hervorwürge. So was gehört ja in einem Restaurant nicht an die oberste Stelle der To-Do-Liste.
Noch was: Ich habe etwas gegen zu tief hängende Lampen. Die machen einfach unfotogen wenn man dagegen läuft.
Egal. Schon wenige Minuten nachdem die Peperonis verschwunden waren, stand auch schon der Typ mit dem Hauptgang vor dem Tisch. Sein Grinsen konnte ich zwar nur noch verzerrt erkennen, weil da eine weitere tiefe Lampe mit ihrem Schirm die Sicht versperrte, aber ich bin mir sicher, dass er Spaß an der Sache hatte.
Jo, Grillteller also. Man erkannte es schon auf dem zweiten Blick. Auch wenn man sich bei manchen Sachen nicht sicher war ob es was zu essen war, oder ob man in so was auf der Straße reintritt. Egal, muss ja alles weg.
Am Ende des Abends kam dann noch eine Erleichterung für mich. Nein, ich rede nicht von meinem Besuch im Porzellanpalast des Hauses, sondern der allzu zahlensichere Kellner hatte sich tatsächlich bei der Rechnung vertan. Da es zu unseren Gunsten war, waren trotzdem alle zufrieden. Der Kellner behielt sein Grinsen, mein Vater hat Geld gespart und ich war im Vergleich zum Zahlenkönig doch nicht ganz so verschattet in der Birne.

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